Probleme mit PTBS? Hier ist ein Ratschlag für die häufigsten Probleme

gabrielle-henderson-ZiBSfB6KEFA-unsplash.jpg

Denken, Fühlen, Wahrnehmung und (Handlungs-)Bewegung hängen mit unserer Persönlichkeit, unserem Selbstbild untrennbar zusammen. Soziale Ängste, Phobie, Stottern, Angsterkrankung, PTBS, Mutismus, psychosomatische Erkrankungen, Schüchternheit - all das wird in erster Linie im psychologischen Bereich verortet. Aber auch über den Körper gibt es Ansatzmöglichkeiten und Wechselwirkungen.

Bewegung und Handlung

Bei dem Wort Bewegung denken wir meist an Sport, Hobbys oder lange Spaziergänge. Dabei übersehen wir oft, dass Bewegung – von der (mechanisch ausgelösten) Bewegung unserer Ohrknöchelchen über die Darmperistaltik bis zum Herzschlag –  letztendlich der Motor unseres Lebens ist. Bewegung ist ein Definitionsmerkmal des Lebendigen, die jede einzelne unserer Handlungen bestimmt und immer vorhanden ist. Sämtliche spezifischen Eigenarten und Handlungsgewohnheiten, die uns als Individuum einzigartig machen, entstehen aus Bewegungen: Die Art, mit der wir nach einer Kaffeetasse greifen, eine Tür öffnen, oder eine Straße entlang laufen.

Diese Bewegungsvorgänge werden durch unsere lebenslange Erfahrung geprägt: durch Bewegungslernen beim Spielen oder Sport, berufliches Umfeld und tägliche Verhaltensweisen, aber auch durch Verletzungen und Traumata, sowohl auf emotionaler als auch auf körperlicher Ebene. Unsere Bewegungen entstehen aus der Summe unserer Erfahrungen – unsere gesamte Biographie ist darin enthalten.

Feldenkrais arbeitete in erster Linie mit Bewegung und Berührung. Er hielt sie für die am leichtesten veränderbare Komponente der menschlichen Entwicklung, aber sein Ziel war die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit mit allen Facetten. Er beschrieb seine Arbeit mit den Worten:

„Ich bin nicht an beweglichen Körpern interessiert, sondern an beweglichen Gehirnen.“

Bewegung und Emotion

Unser Denken und unsere Erwartungshaltung beeinflussen Wahrnehmung und Handlungen (Handlung wird in und durch unsere Bewegungen sichtbar). Unter dem Einfluss einer negativen Erwartungshaltung oder einem ängstlichen Gefühl konzentrieren wir uns stärker auf unsere Umwelt, die Wahrnehmung wird geschärft. Die Schultern ziehen sich hoch, der Muskeltonus in Beinen oder Körpervorderseite erhöht sich in einer unbewussten Vorbereitung von Flucht – oder Schutzhandlungen. Der Organismus entwickelt gleichzeitig eine Überaufmerksamkeit (Hypervigilanz) und eine Überreaktion auf äußerliche Reize (z.B. Berührung).

Eine Entspannung des Körpers kann dagegen dazu führen, dass die Wahrnehmung abzunehmen scheint. Durch die Abnehmende Erregung im Gehirn können Reize besser verarbeitet werden, durch die Beruhigung unserer Emotionen wirken sie weniger bedrohlich.

Die Fähigkeit zu Laufen umfasst weit mehr als die Fortbewegung auf zwei Beinen. Sie hat Auswirkungen auf räumliches Sehen, Objekterkennung, Erinnerungsvermögen, die Fähigkeit, Werkzeuge zu gebrauchen, und sie verändert unsere Kommunikation mit anderen Personen grundlegend.

Ein sicheres Gespür für Balance und die Überzeugung, sich in der Umwelt ungefährdet bewegen zu können, stärken darüber hinaus unser Selbstbewusstsein. Das lässt uns in sozialen Situationen sicherer auftreten, und die Erinnerung an erfolgreich bestandene Aufgaben steigert unser Selbstvertrauen. Unsere Beziehung zu unserer Umwelt und unser Selbstbild verändern sich ständig durch unsere Gedanken und körperlichen Erfahrungen.

Die Liste möglicher Konstellationen ist unendlich und umfasst mehr als unsere Person, sie prägt auch unser soziales Verhalten.

Die soziale Komponente der Bewegung: Kommunikation

„Viele wissen, was sie nicht wollen; einige, was sie möchten; die wenigsten, wie dies auch zu erreichen wäre. Bewusstheit kann die Verwirrung lösen.“

Unser Bewegungen dienen nicht nur dazu, Handlungen auszuführen, sie haben darüber hinaus noch eine weitere, sehr wichtige Bedeutung: sie dienen – ob wir wollen oder nicht – der Kommunikation.

Bereits 1972 veröffentlichte der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian seine aufsehenerregende Studie zum Thema nonverbale Kommunikation. Demnach werden nur etwa sieben Prozent der emotionalen Botschaft eines Gesprächs durch Worte transportiert. Fast 40 Prozent wurden über Tonhöhe und Sprachmelodie kommuniziert (auch Worte entstehen durch Bewegungen  und werden durch Spannungszustände und Atem beeinflusst). 55 Prozent der emotionalen Hintergründe lasen die Probanden aus Gesten, Körperhaltung und Gesichtsausdruck ab.

Menschen sind im Vergleich zu anderen Säugetieren kommunikative Genies. Babys sind im Alter von drei Tagen in der Lage, ihre Mutter- von einer Fremdsprache zu unterscheiden. Frauen erhalten durch den Geruchssinn Informationen über das Immunsystem potentieller Partner. Männer sind unbewusst in der Lage, an den Bewegungen einer Frau zu erkennen, wann sie ihren Eisprung hat. Selbst die Pupillengröße des Gegenübers wird registriert.

Diese Faktoren helfen uns bei der Einschätzung unserer Gesprächspartner, und sie haben eine tief greifende Bedeutung für unser Leben. Der Evolutionsbiologe Karl Grammer geht davon aus, dass die Partnersuche zu einem Großteil über nonverbale Signale geregelt wird. Auch auf unser Berufsleben hat diese Art der Kommunikation  gravierenden Einfluss: Die Körperhaltung unseres Gesprächpartners vermittelt Eindrücke über Sicherheit, Kompetenz oder Belastbarkeit – Kriterien, die über eine Beförderung oder die Finanzierung eines Projekts entscheiden können.

Hat eine Mensch beispielsweise als Kind die Erfahrung gemacht, dass ein leicht schief gelegter Kopf und ein schüchternes Lächeln ihm dabe helfen, seine Ziele zu erreichen – indem etwa ein Großvater dieses Verhalten mit Süßigkeiten belohnt – wird sie diese Bewegungen vielleicht unbewusst auch in beruflichen Situationen einsetzen. Dort kann ein derartiges Verhalten allerdings als mangelndes Durchsetzungsvermögen ausgelegt werden und für die berufliche Weiterentwicklung schädlich sein.

Erst wenn wir in der Lage sind, so zu handeln, dass es der gegenwärtigen Situation und unseren Intentionen vollständig entspricht, sind wir in der Lage, unser Potential voll auszuschöpfen.

»Sich selbst zu erkennen, scheint mir das Wichtigste, was ein Mensch für sich tun kann. Aber wie kann man sich erkennen? Indem man lernt zu tun, nicht wie man »sollte«, sondern wie es einem selbst gemäß ist.«

 (sämtliche Zitate: Moshé Feldenkrais)

Die Feldenkrais-Methode ist eine sanfte Bewegungstherapie, die auf nonverbaler phyischer Ebene dabei helfen kann, ihren psychischen Zustand zu verbessern. Erleben Sie wie Stressreduktion, Gelassenheit, Reaktionen auf Reize und eine Atemtherapie sich auf ihr Lebensgefühl auswirken.


Previous
Previous

Wie man sich effizient und verletzungsfrei bewegt

Next
Next

Wie unsere Gedanken uns daran hindern zu heilen